Klimadaten: Woher sie stammen und wie man sie liest
Seit 1881 wird in Deutschland regelmäßig die Temperatur gemessen. Bis in dieses Jahr reichen auch die bundesweiten Messreihen des Deutschen Wetterdienstes zurück. Sie bieten einen guten Ausgangspunkt, um zu erklären, was Klimadaten sind und warum sich dasselbe Diagramm auf verschiedene Arten lesen lässt. Woher stammen die Zahlen, und wie lässt sich beurteilen, was sie tatsächlich zeigen? Im Folgenden geht es um Datenquellen und Regeln zum Lesen von Diagrammen. Zusätzliche Zahlen, die sich nicht anhand von Veröffentlichungen der Wetterdienste überprüfen ließen, werden dabei nicht angeführt.

Woher stammen Klimadaten?
Klimadaten stammen vor allem von Messstationen, die nationale Wetterdienste betreiben. In Deutschland übernimmt diese Aufgabe der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit Sitz in Offenbach am Main. Er veröffentlicht Stationsdaten und jährliche Berichte zum Klima in Deutschland.
Die Daten umfassen Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer. Aus den Werten vieler Stationen werden Mittelwerte für das ganze Land berechnet. So entsteht eine einzige Messreihe, mit der sich Werte über die Zeit vergleichen lassen. Eine solche Reihe lässt sich deutlich leichter analysieren als Hunderte Einzelwerte, verdeckt allerdings regionale Unterschiede.
Temperaturanomalie: Was bedeutet sie im Diagramm?
In vielen Diagrammen sehen Sie keine absolute Temperatur, sondern die Temperaturanomalie. Sie bezeichnet die Abweichung vom Mittelwert eines gewählten Bezugszeitraums. Ein positiver Wert bedeutet, dass das Jahr wärmer war als dieser Mittelwert. Ein negativer Wert zeigt an, dass es kälter war.
Diese Darstellung ist sinnvoll, weil sie Jahre und Stationen mit unterschiedlichen Bedingungen vergleichbar macht. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Anomalie vom gewählten Bezugszeitraum abhängt. Ändert sich dieser, verschiebt sich die gesamte Kurve im Diagramm, obwohl die Messwerte dieselben bleiben. Deshalb lohnt es sich, bei jeder Anomalie auf den Bezugszeitraum zu achten.
Wie liest man Klimadaten Schritt für Schritt?
Die erste Frage betrifft den räumlichen Umfang: Zeigt das Diagramm Daten einer Station, eines ganzen Landes oder der Welt? Der Trend einer einzelnen Station kann vom Landesmittel abweichen. Dieses wiederum muss nicht mit den globalen Ergebnissen übereinstimmen. Die zweite Frage gilt der Skalierung der Achsen. Derselbe Verlauf kann unauffällig oder dramatisch wirken, je nachdem, wie stark die senkrechte Achse gedehnt ist. Die dritte Frage betrifft den bereits erwähnten Bezugszeitraum.
Die Berichte des DWD zeigen, dass sich Deutschland seit Beginn der Messungen spürbar erwärmt hat. Wie hoch die Erwärmung genau ausfällt, hängt jedoch vom betrachteten Zeitraum und von der Berechnungsmethode ab. Deshalb stimmen die Zahlen verschiedener Veröffentlichungen nicht immer überein. Das ist kein Fehler, sondern liegt an den unterschiedlichen Annahmen.
Warum müssen Stationsdaten homogenisiert werden?
Im Laufe von mehr als hundert Jahren haben sich die Standorte der Stationen und die Messgeräte verändert. Solche Änderungen können Sprünge in einer Messreihe verursachen, die nicht auf das Wetter zurückgehen. Deshalb müssen Stationsdaten mitunter homogenisiert werden. Gemeint ist eine Korrektur, die den Einfluss technischer Änderungen entfernt. Dieser Schritt gehört zum sorgfältigen Umgang mit Klimadaten und ist kein Eingriff in die Ergebnisse.
Für eine sachliche Interpretation helfen somit einige feste Gewohnheiten: die Quelle, den räumlichen Umfang, die Achsenskalierung und den Bezugszeitraum prüfen. Es lohnt sich, dafür die Berichte und Daten des Deutschen Wetterdienstes heranzuziehen und zu jedem Diagramm die Beschreibung der Methode zu lesen.